martin von tours

Soldat, Eremit und Heiliger

Von Rüdiger Achenbach

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Martin von Tours, auch Sankt Martin, gestorben am 8. 11.397, gehört zu den bekanntesten Heiligen im Christentum. Der ehemalige römische Offizier ließ sich taufen, lebte als Eremit und wurde 372 zum Bischof von Tours geweiht. Er ist der erste Heilige im Abendland, der nicht als Märtyrer gestorben ist und wurde deshalb auch zum Vorbild für die Heiligenliteratur im Mittelalter.

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Am 8. November 397 ist Martin dann in der Nähe von Tours in Candes an der Loire gestorben. Am 11. November, der später als Martinstag seinen Namen tragen sollte, wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Tours beigesetzt. Neben dem Grab wurde Martins legendenumwobener Mantel aufbewahrt, der dann eine eigene Geschichte in der mittelalterlichen Kirche bekam.

Denn nachdem der Merowingerkönig Chlodwig im 6. Jahrhundert Martin von Tours zum Heiligen der fränkische Könige erklärte, wurde die Cappa, also der Mantel Martins, zur kostbarsten Reliquie des Königsschatzes. Die Karolinger erhoben dann Martin von Tours im 8. Jahrhundert zum Schutzheiligen des gesamten Frankenreiches. Der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt:

„Die Hofkirche, die die Karolinger unterhielten, bestand anfangs aus einer Klerikergruppe, deren erste Aufgabe es war, dem Heil der Familie förderliche Gottesdienste zu feiern und dabei vor allem den kostbaren Reliquienbesitz, die Cappa des heiligen Marti zu hüten und auf Kriegszügen mitzuführen. Von daher erhielten die Kleriker mit der Zeit den Namen ‚capellani‘, also Kapläne und die Oratorien in den Pfalzen, wo jeweils die Cappa aufbewahrt wurde, nannte man ‚capella‘, also Kapelle.“

Die Bezeichnungen Kaplan und Kapelle, die ursprünglich aus dem Martinskult kamen, sind dann in den allgemeinen kirchlichen Sprachgebrauch übernommen worden. Auch wenn die historische Figur Martins von Tours weitgehend in Vergessenheit geraten ist, wird der Martinskult jedoch bis heute in manchen Teilen Deutschlands gepflegt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass mit dem Gedenktag des populären Heiligen, am 11. November, im Mittelalter das bäuerliche Arbeits- und Wirtschaftsjahr endete. An diesem Tag liefen die Dienstverhältnisse aus und Zins und Pacht wurden fällig. Er war eine Art Jahreswechsel und da dieser Tag auch der Vortag der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten war, wurde noch einmal mit dem Braten einer Martinsgans und Martinsgebäck gefeiert. Man veranstaltet Fackelzüge und zündete Martinsfeuer an. In manchen Gegenden war der Martinstrunk der erste frisch gegorene Wein des Jahres. An dieses Brauchtum erinnern heute vor allem die Laternenumzüge zu St. Martin.

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